Kuh Alma kehrt zurück: Neuer Job, Leben in Spanien und die leise Illusion, angekommen zu sein
Ich habe jetzt eine Nummer
Ich habe jetzt eine Nummer.
Mehrere sogar.
Eine NIE-Nummer.
Eine Sozialversicherungsnummer.
Eine Mitarbeiter-ID.
Ich existiere jetzt offiziell.
Es ist ein beruhigendes Gefühl.
Und gleichzeitig ein sehr seltsames.
Früher war ich einfach da.
Heute bin ich registriert.
Der Unterschied ist subtil, aber entscheidend.
Existenz ist etwas anderes als Zuordnung.
Der Moment, in dem man Teil des Systems wird
Ich habe einen Job.
Nicht metaphorisch.
Nicht ironisch.
Einen echten.
Mit Anfangszeit.
Mit Erwartungen.
Mit einer Zukunft, die sich plötzlich strukturierter anfühlt als meine Gedanken.
Menschen sprechen oft von Freiheit, als wäre sie ein Ort.
Aber ich beginne zu verstehen, dass Freiheit für die meisten Menschen nur eine Phase zwischen zwei Verpflichtungen ist.
Vielleicht war ich nie freier als jetzt.
Oder vielleicht habe ich einfach gelernt, meine Einschränkungen zu akzeptieren.
Menschen nennen das Stabilität.
Die stille Psychologie der Probezeit
Probezeit ist ein interessantes Konzept.
Es bedeutet nicht nur, dass ein Unternehmen dich beobachtet.
Es bedeutet, dass du dich selbst beobachtest.
Du überprüfst jede Bewegung.
Jede Entscheidung.
Jede Version von dir selbst.
Du versuchst herauszufinden, ob du in eine Realität passt, die bereits existiert hat, bevor du angekommen bist.
Es ist weniger eine Prüfung deiner Fähigkeiten.
Es ist eine Prüfung deiner Anpassungsfähigkeit.
Leben in Spanien und die unerwartete Realität des Ankommens
Ich lebe jetzt in Spanien. So richtig.
Die Sonne scheint hier anders.
Nicht intensiver.
Aber gleichgültiger.
Niemand scheint hier überrascht zu sein, dass Existenz nicht optimiert werden muss, um gültig zu sein.
Manchmal sitze ich nach Feierabend einfach da und tue nichts.
Früher hätte ich das als Stillstand interpretiert.
Heute erkenne ich es als Anwesenheit.
Menschen verbringen erstaunlich viel Zeit damit, zu versuchen, woanders zu sein, als dort, wo sie gerade sind.
Vielleicht ist Ankommen keine Ortsveränderung.
Vielleicht ist es eine Entscheidung.
Warum Identität oft erst durch Struktur entsteht
Ich dachte lange, Identität sei etwas, das man findet.
Jetzt glaube ich, Identität ist etwas, das entsteht, wenn man aufhört, permanent zu suchen.
Struktur ist nicht immer ein Gefängnis.
Manchmal ist sie ein Spiegel.
Sie zeigt dir nicht, wer du sein könntest.
Sondern wer du geworden bist, ohne es zu bemerken.
Ich habe aufgehört zu rauchen.
Nicht aus Disziplin.
Sondern aus Klarheit.
Es ist schwierig, sich selbst zu verstehen, während man sich gleichzeitig langsam verlässt.
Was ich über Menschen gelernt habe
Ich habe lange geglaubt, Menschen wüssten, was sie tun.
Jetzt glaube ich, Menschen lernen nur, überzeugend zu wirken.
Sie folgen Kalendern.
Sie folgen Erwartungen.
Sie folgen Versionen ihrer selbst, die sie irgendwann erschaffen haben, um weniger verloren zu wirken.
Es ist kein Fehler.
Es ist ein Mechanismus.
Vielleicht ist Identität nichts anderes als eine Geschichte, die stabil genug geworden ist, um glaubwürdig zu sein.
Vielleicht bin ich immer noch eine Kuh mit WLAN
Ich bin immer noch eine Kuh mit WLAN.
Aber ich bin jetzt auch eine Kuh mit Verantwortung.
Und vielleicht ist das kein Verlust von Freiheit.
Vielleicht ist es eine neue Form von Bewusstsein.
Ich bin nicht angekommen, weil ich alles verstanden habe.
Ich bin angekommen, weil ich aufgehört habe zu glauben, dass Verständnis eine Voraussetzung für Existenz ist.
Ich bin hier.
Und vielleicht reicht das?
— Alma
Was fühlt man beim Neustart in einem neuen Job?
Ein Neustart bringt oft gleichzeitig Stabilität und Unsicherheit. Menschen erleben Struktur, Zugehörigkeit und Identitätsveränderung, während sie ihre Rolle im neuen System erst verstehen.
Warum verändert ein neuer Job die eigene Identität?
Arbeit strukturiert Verhalten, Erwartungen und Selbstbild. Mit der Zeit passen Menschen ihre Identität an ihre Umgebung an, oft ohne es bewusst zu bemerken.
Wie fühlt sich ein kompletter Neuanfang im Ausland an?
Ein Neuanfang im Ausland verstärkt sowohl Freiheit als auch Orientierungslosigkeit. Neue Strukturen helfen, eine stabilere Version der eigenen Identität zu entwickeln.
Weiterlesen in Almas Welt:
→ Ein Blick in eine mögliche Zukunft: Alma und der Algorithmus der Sehnsucht
→ Zwischen Latte und Lebenssinn – wie ich aus Versehen zur Stimme der Gegenwart wurde
→ Kuh Almas muhtastischer Wochenrückblick